Der DRK-Orstverein Hanau hilft in der Ukraine
Wie alles begann
Februar 1994, im Radio FFH hat Klaus Reinhardt über das Projekt der Erholung von Kindern der Tschernobyl-Region der Feuerwehr Bad Vilbel gehört. Im Sommer 1994 sollen ca. 40 Kinder, von sogenannten "Liquidatoren" (Menschen die direkt nach der AKW-Explosion zu Bergungs- und Aufräumaktionen eingesetzt waren) sich in der Rhein-Main-Region erholen. Nach Beratung mit seiner Frau Marion wurde beim FFH-Hörertelefon angerufen das man gerne 2 Kinder für 3 Wochen in den Sommerferien aufnehmen würde. Im April wurde mit einem Schreiben der Feuerwehr Bad Vilbel mitgeteilt, das noch einige Gasteltern gesucht werden. Die Jugendgruppenleiterin des JRK der OV Hanau Marion Reinhardt fragte in den Gruppenstunden der älteren Gruppe nach ob jemand Interesse hat im Sommer ein oder mehrere Kinder aufzunehmen. Angelika Hanstein (damals Gruppenmitglied im JRK) konnte ihre Eltern überzeugen zwei Mädchen aufzunehmen. Im Mai ein Schreiben mit der Einladung zu einem Vorbereitungstreffen in Bad Vilbel. Dort waren Vertreter der ukrainischen Organisation anwesend - viele Fragen wurden beantwortet. Man wusste ja nicht was die Kinder alles für Krankheiten hatten. Die meisten Kinder sind nicht so belastbar wie bei uns - was auch mit der mangelnden Ehrnährung zu erklären war. Die Kinder haben häufiger Infektionskrankheiten als bei uns. Durch die radiaktive Strahlung sind viele an einem Defekt des Immunsystems erkrankt - man sagt auch "Tschernobyl-AIDS". Wir waren also gut informiert wie die Kinder hier bei uns in Deutschland sich erholen können.
Im Juli war es dann soweit. Die Kinder kamen im Zug in Frankfurt an. Ein Einsatz-Omnibus der Berufsfeuerwehr Frankfurt brachte die Kinder-Gruppe zum Feuerwehr-Haus nach Bad Vilbel. Dort wurden die Kinder mit ihren Betreuern empfangen. Für drei Wochen werden vier Mädchen auch in Hanau verbringen. Galina aus Worzel, Irina aus Irpin werden bei Familie Reinhardt, Irina und Anastasia aus Butscha bei Familie Hanstein ihre Ferien verbringen. Die Kinder sind alle aus dem Kreis nördlich von Kiew. Durch die hervorragende Organisation der Feuerwehr Bad Vilbel, konnte man an Veranstaltungen der Feuerwehr teilnehmen. Die Integration der Mädchen in den Familie war vollkommen Problemlos. Nach einigen Berührungsängsten in ersten beiden Tagen hatten wir die Kinder ins Herz geschlossen. Trotz einiger Sprachproblemen klappte es wirklich sehr gut. Mit den beiden Mädchen die bei Familie Hanstein ihr Heim gefunden hatten wurden viele schöne Tage und Stunden erlebt. Leider war die Zeit viel zu kurz - denn mittlerweile waren die beiden Kinder ein Bestandteil unseres Lebens. Nach einem Tränenreichen Abschied Ende Juli traten die Kinder ihre Rückreise in die Ukraine an. Die Eltern der Kinder schrieben Briefe an uns mit dem Ausdruck des Dankes für die herzliche Aufnahme in unseren Familie. Ein herzlicher Briefkontakt entstand.
Unsere Arbeit in der Ukraine - Kiew
Dezember 94:Zeitungsbericht im Hanauer Anzeiger: "Jugendfußballer helfen Kinderklinik in Kiew". Gruppenleiter Klaus Reinhardt informiert sich bei der Jugendspielgemeinschaft in Bruchköbel. Im Dezember soll ein 38 Tonner-LKW mit Hilfsgüter in die Klinik Nr. 3 nach Kiew gehen. Das Jugendrotkreuz unterstützt die Aktion mit dem Wissen und dem know how des DRK KV Hanau. Am 21.12.1994 geht es mit dem 38 Tonner und einem Wohnmobil auf die fast 2000km lange Fahrt nach Kiew los. Mit an Bord Klaus Reinhardt. Nach dem Empfang und der Unterbringung in der Kinderklinik Nr. 3 wurde der 38 Tonner entladen.
Medikamente, Lebensmittel, Bekleidung, Schuhe, Betten, Matratzen, Spielsachen, med. Instrumente- und Geräte. Für die Schule Nr. 125 waren Stühle, Bänke und Schulsachen mitgenommen worden. Diese wurden 2 Tage später bei dem Empfang durch die Lehrerschaft übergeben. Unsere Gruppe nahm auch en einem Englisch-Unterricht der 7. Klasse teil. Ein ehemaliger Schüler der Schule Nr. 125 Igor Romanko ist Dolmetscher (Ukrainisch/Russisch/Englisch) und übersetzte uns. In der Klasse wurden wir über das Leben der Kinder in Deutschland gefragt. Wir beantworteten alle Frage der Kinder. Einige unserer Mitreisenden stellten einen Schüleraustausch in Aussicht. "Unsere" Kinder die im Sommer einen Teil Ihrer Ferien bei uns verbrachten, besuchten uns in Kiew. So lernten wir einen Teil der Eltern kennen. Nach einigen Tagen in Kiew fuhren wir am 28.12.94 wieder zurück nach Deutschland.
Januar 1995: Leider kam es von Seiten der anderen Beteiligten des Transportes im Dezember 94 nicht zu dem zugesagten Schüleraustausch. Anfang Februar erreichte uns ein Fax von dem Dolmetscher Igor Romanko. In diesen Schreiben ging hervor das sich die Schule Nr. 125 in Kiew recht herzlich für die Ausstattung der Schule bedankt. Auch wird Bekleidung für Kinder gebraucht da deren Eltern wirtschaftlich nicht in der Lage sind welche zu kaufen. Diese Kinder werden auch kostenlos in der Schule am Mittag verköstigt. Die Jugendgruppenleitung des JRK der OV Hanau überlegte nicht lange und sandte ein Fax mit der Zusage einer Hilfe . Von JRK-Gruppenmitgliedern wurden Fragen gestellt wie die Kinder dort in der Ukraine leben. Hier kam uns die Idee, das wir mit unserer Gruppe einen Austausch machen könnten.
Ostern 95: Nach Gesprächen mit den Eltern und einigen Faxen nach Kiew flogen wir in den Osterferien mit der älteren Gruppe 13-15 Jahre, für 2 Wochen nach Kiew. Dort waren wir bei Gasteltern der Schule Nr. 125 untergebracht. Viele Gruppenmitglieder waren angetan von der Gastfreundschaft der Gastgeber und hatten somit auch eine andere Kultur kennen gelernt. Auch von den Problemen der Unterkunft wegen dem Wasser und dem Strom der teilweise abgestellt wurde musste man sich abfinden. Es waren erlebnisreiche Tage in und um Kiew gewesen.
Sommer 95: Gegenbesuch von Schülern der Schule Nr. 125. Auch sie waren bei Gasteltern von Kindern des JRK untergebracht. Ein umfangreiches Programm wurde mit den Schülern aus Kiew und Hanau durchgeführt. Die Gruppe aus Kiew wurde auch von der Oberbürgermeisterin Magret Härtel empfangen. In den 14 Tagen wurden viele Freundschaften geschlossen.
August/September 95: Hilfstransport des DRK KV und des JRK OV Hanau und den Jugendfußballern aus Bruchköbel. Stationen: Soloschiv: Material für die Feuerwehr, Kiew: Medikamente/Lebensmittel/Geräte für Kinderklinik Nr. 3, Schulbedarf/Bekleidung/Lebensmittel für die Schule Nr. 125, Chrekasy: Medikamente/Lebensmittel/Geräte/Betten/Matratzen für das Kreiskrankenhaus - Bekleidung/Lebensmittel/Spielsachen Waisenheim. Nach der Rückkehr wurde mit dem DRK KV beratschlagt ob man solch eine Aktion wiederholen solle. Es wurde von Marion und Klaus Reinhardt (beide GruLei des JRK) festgestellt, das in Kiew viele internationale Organisationen den einzelnen Institutionen und Betroffenen helfen. Wir überlegen uns, wo effektiver geholfen werden kann.
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